geoTLD .bayern: Kritik am Vergabeverfahren

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Anfang nächsten Jahres wird wohl auch der Freistaat Bayern eine eigene TopLevelDomain (TLD) haben. Zu erreichen ist der Freistaat dann unter der geografischen TLD (geoTLD) .bayern. Im Vorfeld wurde heftig über die Vergabepraxis debattiert. Die Ausschreibung des flächenmäßig größten Bundeslandes zum Betrieb der neuen geoTLD .bayern sorgte für mehr als nur Irritationen.

gruene kritik zu geotld .bayernDas Rennen um die neuen TopLevelDomains (nTLDs) geht in die Endphase. Ursprünglich für Ende April 2012 geplant, wollte die ICANN die Ergebnisse aus dem Bewerberverfahren offiziell offen legen und die Welt sollte erfahren, welche neuen Domainendungen künftig angesurft werden können.
 Letztlich hat es bis in den Juni hinein gedauert bis Gewissheit das Verfahren zur Bewerbung geendet hat.

Seit dem ist es offiziell: ab demnächst wird es wohl auch eine .bayern geoTLD geben. Be- und Vertrieben soll .bayern dann von einem privaten Unternehmen. Die Bayern Connect GmbH konnte die Ausschreibung der bayrischen Staatsregierung gegen nur einen Mitbewerber, der Punktbayern GmbH, für sich entscheiden. Ein wohl sehr lukratives Geschäft für Bayern Connect, schließlich umfasst die neue geoTLD .bayern ein Gebiet mit über zwölf Millionen Einwohnern und einem entsprechendem Potential auf der Nachfrageseite.

Der künftige .bayern-Betreiber ist eine Tochter der international tätigen und an der Londoner Börse notierten Holding-Gesellschaft TLDH, die sich mit weiteren Tochtergesellschaften auch um die Vergabe für Rom, Berlin und New York bemüht und die von Ex-ICANN CEO Peter Dengate geleitet wird. Auch die Bewerbung um die TLD .nrw wird von einer TLDH-Tochter durchgeführt.

Versteigerungspraxis der geoTLD .bayern im Kreuzfeuer

Doch bereits vor der offiziellen Verkündung der .bayern geoTLD durch die ICANN, muss die Bayern Connect GmbH herbe Kritik einstecken. So sorgt die Ankündigung des Bayern Connect Geschäftsführer Caspar von Veltheim in einem BR-Interview, „einzelne Domains unterhalb von .bayern, also zum Beispiel hotel.bayern, (…) im Falle mehrerer Bewerber “diskriminierungsfrei” zu vergeben – indem man sie versteigere.“ für harsche Misstöne.
Ein viel kritisiertes Szenario, was aber mit Sicherheit so eintreten wird. Schließlich liegen alleine United Domains 23.000 Vorbestellungen vor, was zeigt, dass .bayern angenommen wird und somit auch für Domain-Investments interessant wird, die dafür sorgen werden, dass bei den Versteigerungen ein beträchtliches Sümmchen herausspringen wird.

Grüne Gote: geoTLD .bayern-Bewerber “zwielichtig” & “dubios”

Weiter heftige Kritik hagelt es derweil von der Grünen-Abgeordneten Ulrike Gote. Sie kritisiert neben der fehlender Transparenz im Rahmen des Ausschreibungsverfahren, dass die Holding ihren Sitz auf den als Steuerparadies geltenden Jungferninseln hat.
Hinzu kommen Zweifel an der Selbstdarstellung von Bayern Connet als gemeinnütziger Verein, da Bayern Connet auf der Internetseite verkünde man wolle die Domains zu marktüblichen Preisen verkaufen. – Für Gote ein klarer Widerspruch!
Auch dass die Bayern Connect GmbH das nötige Know-how besitzt bezweifelt die Abgeordnete. Mit Antony van Couvering, der sich zu den Gründungsmitgliedern der ICANN zählen darf, hat die Unternehmung jedoch eine echte Kapazität auf der obersten Führungsebene, was jegliche Fragen nach Kompetenzen beantworten sollte.

„Der Verdacht, dass ein großer Konzern sich verschiedene Lizenzen zusammenkauft und das ganze Portfolio dann weiterverhökert”, wird aus dem bayrischen Finanzsekretariat damit abgeschmettert, dass alle möglichen Risiken diesbezüglich ausgeschlossen seien und der Freistaat Bayern darüber hinaus, dank klar definierter Vertragsbedingungen, zu genüge abgesichert sei. Außerdem habe das größte Bundesland rechtlich vollen Zugriff auf die Bayern Connect GmbH (und somit auch auf die eigene .bayern geoTLD, da diese auch mit einen Firmensitz in München vertreten sei.
 Das Land Bayern habe letztlich die oberster Verfügungsgewalt über .bayern geoTLD und dank einer (Anmerk.: in der Höhe leider unbekannten) Umsatzbeteiligung wird das “bayrische Staatssäckel” zusätzlich gefüllt. Da freut sich doch der Bayer an sich und vor allen Dingen der Herr über die Kasse des Freistaates Söder.

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