nTLDs – Donuts & Demand Media am Pranger

www.  

Im nTLDs Bewerbungsverfahren sorgt ein Brief eines Bostoner Anwalts an die ICANN und an eine Handvoll brancheninterner Blogger gerichtet für neue Aufregung . Die beiden Massenbewerber Demand Media und Donuts würden in dem nTLDs Application Guidebook (Bewerberhandbuch) genannte Vorraussetzungen nicht erfüllt und müssen daher entfernt werden, sweit Vorwurf und Anliegen.

Vorwurf gegen nTLDs Richlinien verstoßen zu haben - der BriefEIn Fax des Bostoner Anwalt Jeffrey Stoler (Kanzlei: mccarter) an die ICANN hat für Aufregung und neue Spannung in das sich nun so langsam in den letzten Schritten befindlichen Bewerbungsverfahren um eine nTLD. Außer an die zuständigen ICANN-Leute, versandte Stoler seinen Brief auch an eine handvoll Blogger, die gleich dafür sorgten dass der Brief einer breiten Masse publik wird. Der Brief als Download…

333 nTLDs contra “three-strikes-rules”

Es geht in dem Brief primär darum, die Bewerbungen von Demand Media Inc. und der Donuts Inc. aus dem Bewerberpool zu entfernen, da diese wegen der im ICANN Application Guidebook festgelegten “three-strikes-rules” der ICANN, die nötigen Vorraussetzungen zum Betrieb einer nTLD nicht erfüllen. Hier geht es um nicht weniger als 333 Bewerbungen die Demand Media und Donuts  (303 Bewerbungen auf nTLDs in ASCII plus vier IDNs) eingereicht haben. Somit also auch um mehr als 61.6 Millionen US-$ die alleine von diesen beiden Bewerbern an Bewerbungsgebühren geleistet wurde. Hier geht es zur Übersicht aller Donuts Inc. nTLDs -Bewerbungen.

Die Regel besagt konkret, dass Bewerber ausgeschlossen werden, die innerhalb der vergangen vier Jahre (Rahmenfrist), drei gerichtliche Entscheidungen gegen ihre Gunsten einstecken mussten.

“Three-strike-rules”

…aus dem nTLDs Application Guidebook der ICANN

§ 1.2.1 ()

ICANN will screen applicants against UDRP cases and legal

databases as financially feasible for data that may indicate a

pattern of cybersquatting behavior pursuant to the criteria

listed in section 1.2.1.

§ 2.1.2 (History of cybersquatting)

ICANN will screen applicants against UDRP cases and legal

databases as financially feasible for data that may indicate a

pattern of cybersquatting behavior pursuant to the criteria

listed in section 1.2.1. (…)

Im Falle von Demand Media ist diese Vorraussetzung definitiv nicht erfüllt. Immerhin 22 Mal gingen, alleine innerhalb der maßgebenden Rahmenfrist von vier Jahren, Fälle von Cybersquatting und andere Domain-Streitigkeiten vor Gericht verloren. Dies war und ist dem Unternehmen auch bewusst, schließlich hat es im Dezember 2010 eine Anfrage bei der ICANN gestellt, die Regel noch einmal zu überdenke und zu ändern. Geschehen ist nichts.

Regelung steht weiter im nTLDs Applicant Guidebook

Die Regel steht nach wie vor im nTLDs Application Guidbook. Demand Media hat sich trotzdem beworben, gibt es da etwa eine Art geheimen Deal zwischen der ICANN und Demand Media? In etwa einen der die Auslegung von solchen Regeln betrifft? Wenn nicht bleibt die Frage offen, warum Demand Media beinahe fünf Millionen US-$ alleine in Bewerbungsgebühren steckt, obwohl offensichtlich Vorraussetzungen nicht erfüllt werden können. Branchengröße Go Daddy, die ebenfalls als heiße Kandidaten für eine Vielzahl von Bewerbungen gehandelt wurde, hat sich mit Blick auf genau diese Vorraussetzungen gegen mögliche Bewerbungen entschieden. – Was die Option einer Aussetzung der Regel im Prinzip unmöglich macht, da diese bereits unumkehrba und entscheidend Einfluss auf den Wettbewerb genommen hat. – Eine knifflige Sache, die nicht allzu viel Spielraum lässt. Für den Fall,dass die Demand Media Bewerbungen akzeptiert werden wird sich die ICANN definitiv Vorwürfe gefallen lassen müssen und gerät einmal mehr in Erklärungsnot.

Logo des nTLDs Bewerber Donuts INc.Noch difficiler stellt sich die Sachlage bei der Donut Inc. dar, die mit immerhin mit 307 Bewerbungen um nTLDs mit von von der Partie ist. Dies entspricht mit Blick auf die 185.000 US-$ die pro Bewerbung zu leisten waren, alleine Bewerbungsgebühren in Höhe von beinahe 57 Millionen US-$ die nun zunächst einmal im Tresor der der ICANN liegen.

Donuts – Geschäftspartner oder Tochter von Demand Media?

Zwar hat sich die Donuts Inc., extra zu dem Zweck sich auf nTLDs zu bewerben gegründet, selbst noch nicht gegen die “three-strikes-rule” verstoßen, doch unklar ist hier wie weit das Unternehmen Demand Media zugerechnet werden kann und in welcher Beziehung sich beide zueinander befinden. Donuts, für die es bei der ganzen Sache nun um richtig viel Geld geht, dementiert natürlich ein Tochterunternehmen der Demand Media Inc. bzw. der Demand Media Group zu sein und sieht sich viel mehr als Geschäftspartner von Demand Media:

“Demand Media is a commercial partner and is neither an investor in nor part of a joint venture with Donuts. “

Demand Media wird von der Donuts Inc. bei mehr als einem Drittel der Bewerbungen (107/307) lediglich als technischer Betreiber benannt; nicht aber als über diese Geschäftsbeziehung hinausgehender Partner.

Es kann gemutmaßt werden, dass Demand Media Vorwürfen, Donuts sei eine Art Strohmannfirma der Demand Media Group, mit Blick auf mögliche, damit in Zusammenhang stehende Probleme bereits hat kommen sehen und sich diesem Vorwurf bereits in der Vergangenheit öfters ausgesetzt befand.

Dementi vor Veröffentlichung – Donuts schon früh in der Offensive

Aus einer Pressemitteilung von Demand Media, die bereits am 13. Juni 2012 veröffentlicht wurde, stellt das Unternehmen unmissverständlich klar, in keinster Weise in die Donut Inc. involviert zu sein:

“Demand Media and its affiliates are neither investors in Donuts and its affiliates nor are they involved in any joint venture with Donuts and its affiliates.”

Die Deutlichkeit mit der die Aussage, ohne weitere Erklärung dort propagiert wird, wirkt recht ungewöhnlich und möglichen Vorwürfen vorweggenommen. Sie ist in der Pressemitteilung unter der Überschrift “About Demand Media” zu finden und folgt, durch einen Absatz getrennt und einigen (üblichen) Informationen bezüglich des Unternehmens (Gesellschafterform, Aufgaben, Sitz…).

Haben die Demand Media Leute da den Braten vielleicht schon gerochen und diesen Pasus mal schnell in einer Pressemitteilung untergebracht. Vielleicht haben sich auch externe Donut-Investoren das Aplication Guidbook einmal genauer angeschaut und sind auf die “three-strike-rules” oder andere das Investment gefährdeten Regelungen gestoßen. Dies würde allerdings bedeuten , dass es doch einen Verflechtung von Donuts und Demand Media gibt. Letztlich schwierig, wenn nicht gar unmöglich nachzuweisen. Es wäre ja durchaus auch möglich, dass Donuts mit Hilfe der etablierten Demand Media Inc. auf Investorenfang gegangen ist und sich möglicherweise im Gegenzug dazu verpflichtet hat Demnad Media als technischen Betreiber für 107 nTLDs anzugeben für die man sich beworben hat, anzugeben.

…und die Motive der Bostoner Kanzlei?

Zu guter letzt bleiben noch die Fragen ungeklärt, ob hinter der Anwaltskanzlei McCarter&English nicht die, definitiv zahlreich vorhandene, Konkurrenz im Kampf um mehrfachbeworbene nTLDs steht. Profitieren würden auf jedem Fall viele von einem Bewerbungsausschluss. Wie wird die ICANN entscheiden und vor allen Dingen, welche Konsequenten hat dies auf den weiteren Einführungsprozess? Und nicht zuletzt, ob es sich die ICANN überhaupt leisten auf die Donuts Millionen zu verzichten, was wiederrum zahlreiche neue Fragen, wie der Rolle der ICANN, etc. aufwirft.

Würde es tatsächlich zu einem Ausschluss der Donut Inc. Bewerbungen kommen, werden diese mit Sicherheit dagegen klagen und somit wären bis zueiner rechtskräftigen und verbindlichen Entscheidung alle der 307 nTLD-Bewerbungen, aus denen auch Donut um den Zuschlag kämpft, auf Eis gelegt. Die Einführung würde sich verzögern. – Kommt es zu einer tolleranten Regelauslegung der “three-strike-rules”, so dass, ungeachtet der Donut-Fälle, die Bewerbungen der Demand Media Inc. akzeptiert werden, könnte beispielsweise von GoDaddy eine Klage kommen um dies zu verhindern; schließlich hat man selbst, mit Blick auf diese Regel, auf eigene Bewerbungen verzichtet. Auch stellt sich weiter die Frage, wie es bei anderen Bewerbern oder potenziellen Bewerbern, die letztlich auf eine Bewerbung verzichtet haben, aussieht und wie mit der Gesamtsituationen dann verfahren wird. Es könnte also alles noch so richtig kompliziert werden und sich weiter hinziehen bis die nTLDs dann endlich in Betrieb genommen werden können.

Bayern 728x90

Für weiteren Gesprächsstoff rund um das nTLDs -Programm der ICANN ist also zu genüge gesorgt. Es bleibt also auch weiterhin spannenden rund um die ICANN, nTLDs -Bewerbern et cetera.