EX-ICANN-Chef Beckstorms Motive & Ideale

neue Domainendungen reservieren

Der jüngst von seinen Posten als Präsident und CEO (Chief Execution Officer) der ICANN zurückgetretene Rod Beckstorm äußerte sich im Rahmen einer Rede auf der Def Con conference (eine der bedeutendsten Zusammenkünfte von Hackern aus der ganzen Welt), was seine Vision des Internets der Zukunft betrifft 

Der Grundtenor, „Das Internet müsse einem organisierten Chaos gleichen.“, kann gleichzeitig als Appell verstanden werden das Netz als unabhängiges Medium und vor zu viel Einflussnahme Dritter, ob Staaten, finanzkräftiger Investoren oder Konzernen zu schützen. Der Auftrag an die Hacker-Gemeinde sei, „(…) das Internet vor zu viel Regulation zu beschützen!“

Hier klicken!

Er warnte ausdrücklich davor die bisherige Organisationsform des Internets als Multi-Stakeholder-Modell anzutasten. Schließlich wird auf diese Weise gewährleistet, dass alle Stimmen gehört und diesen auch entsprechend Gewicht verliehen wird.

keine staatliche Kontrolle übers Web

Das Internet müsse aus Sicht von Beckstorm weiterhin offen, global, neutral, von Multi-Stakeholdern „regiert“ und durch möglichst wenig Regularien und Restriktionen ausgesetzt wie es bislang noch der Fall ist, bleiben.

Natürlich kennt der Ex-ICANN-Chef auch das Rezept, welches dies alles auch zukünftig gewährleisten soll. Der Hacker-Gemeinde sagte er diesbezüglich, dass „der einzige Weg dies zu gewährleisten sei, mit den Gesetzgebern zu kommunizieren und, noch viel wichtiger, zu lernen neue Technologien in einfachen Worten zu erklären.“

Fromme Wünsche, die wohl jeder der die Unabhängigkeit, Freiheit und damit letztlich auch die daraus resultierenden sich bietenden Möglichkeiten des Internets, teilen würde. Gleichzeitig stellt sich hier aber auch die wohl eher rhetorische gemeinte Frage, die nicht desto trotz eine Antwort verlangt, ob nicht gerade die Erweiterung des DNS (Domain-Name-Space), die im Zuge des nTLD-Programms der ICANN just vollzogen wird, nicht genau in die entgegengesetzte Richtung steuert. Schließlich wird es dadurch Unternehmen möglich sich große Teile des Netzes einzuverleiben und somit letztlich auch darüber zu bestimmen.

Obacht auf Großkonzerne wie google & amazon

Insbesondere wenn Branchengrößen wie amazon oder google einen Großteil ihrer zahlreichen Bewerbungen zu einem erfolgreichen Abschluss bringen können, entstehen neue, noch mächtigere Schwergewichte als diese es ohnehin schon sind, deren Einflussnahme noch weit größer werden dürfte.

Zur Erinnerung: Beckstorm ist und war als ICANN-CEO hier der letztlich Hauptverantwortliche! Dieser hat nun aber das Zepter abgegeben und somit auch letztlich die Kontrolle darüber.

Hätte er nicht, alleine um weiter an vorderster Front mitzubestimmen und gestalten zu können, weiterhin an der Spitze der Organisation bleiben müssen, anstelle sich nun, wo es in die heiße und entscheidende Phase des nTLD-Programm geht, zu verabschieden? Im Prinzip schon würde man meinen.

Beckstorm – Rücktritt Idealen geschuldet?

Man könnte hier aber auch die These aufstellen, dass der innere Zirkel der ICANN eine zunehmende Kommerzialisierung des Netzes antreibt und Beckstorm, damit nicht d`accord, auch nicht persönlich dafür verantwortlich sein will, weshalb er die Option des Rückzuges aus der ICANN-Spitze gewählt hat, anstelle sich weiter für ein unabhängiges Medium Internet stark zu machen. Irgendwie passt das doch nicht zusammen und lässt zumindest Fragen aufkeimen.

Einen konkreten Rücktrittsgrund oder eine offizielle Stellungnahme in der möglicherweise persönliche Motive aufgezeigt werden, blieb er nämlich auch schuldig. Oft ein Hinweis auf Unstimmigkeiten, Unzufriedenheit und nicht zu überwindende Uneinigkeiten hindeutet.

Dies würde zumindest ansatzweise erklären, dass er nun auf der Def Con conference dazu aufruft, das Netz als unabhängiges und neutrale Medium zu schützen. Dies hat er, als CEO der ICANN, bis vor kurzem noch, höchst selbst in der Hand gehabt.

Vielleicht ist es aber auch vielmehr so, dass es mit den beckstormschen Idealen gar nicht so weit her ist und er eben genau das erzählt, was das entsprechende Publikum gerade hören will, oder anders ausgedrückt, wofür er, als eine der Kapazitäten der Branche, sicherlich nicht zu knapp entlohnt wird.

Hier klicken!

Der Bock wird zum Gärtner…

Hacker werden dann also dazu aufgefordert das Netz zu schützen; und „Dritten“ vielleicht am nächsten Tag dazu geraten, das Web für ihre Zwecke in Beschlag zu nehmen. – Eigentlich ein Widerspruch, aber offensichtlich ist Beckstorm da recht anpassungsfähig. Schließlich hat die ICANN und allen voran Beckstorm für das nTLD-Programm ordentlich die Werbetrommel gerührt. Unternehmen und Investoren sollten und mussten ja irgendwie überzeugt werden. Da eine nTLD nicht zum Schnäppchenpreis zu haben ist, mussten diese Dritte natürlich auch mit Argumenten oder vielleicht sogar Versprechungen überzeugt werden. – Und worauf sollten dieses sonst zielen als auf das Versprechen gewisser Machtoptionen und natürlich der vielversprechenden, stets verlockenden Aussicht auf eine Maximierung der jeweiligen Gewinne der zu überzeugenden Unternehmen.