Wenig Qualität, Klagen übers Netz & keine Innovationen – Medienkrise I

neue Domainendungen reservieren

Die Bewerbungsrunde bei der ICANN scheint mehr oder weniger spurlos, zumindest ohne dass eine Regung erfolgte, an der deutschen Verlagslandschaft vorbei gezogen sein. Und dies obwohl neue Geschäftsmodelle dringendst benötigt werden um den unabhängigen Journalismus heute und weiter in der Zukunft zu wahren. Einzig der Spiegel (schon mit SpiegelOnline, frühzeitig und vor allen anderen, auf die Entwicklung des Webs reahiert – mit großem Erfolg) hat es auch diesmal wieder gewagt und sich für eine der neuen Top-Level-Domains bei der ICANN beworben. Die restlichen deutschen Medienhäuser klagen weiter ihr Wehleid, wettern gegen das Netz, google etc. und fahren gleichzeitig die eigene Qualität zurück.

Ein Kommentar zu verpassten Chancen, nicht erkannten Geschäftsmodellen und der künftigen dotSpiegel TLD…

Mops als Symbolbild für Verlage

Viele Verlage schauen erneut dumm aus der Wäsche!

Die Qualität der etablierten Medien lässt sukzessive aber in einem bedrohlich werdenden Ausmaß nach. Jeder der täglich einen Blick in eine Tageszeitung wagt, (oder die Polittalks am Abend mit Will, Maischberger, Illner, Jauch und Kollegen verfolgt – wäre, aber ein Extra Thema), muss dies tagtäglich feststellen. Als Ursachen dafür werden uns dann Dinge wie die Anzeigen-Auflagespirale, Print in der Krise, Google und das Leistungsschutzrecht oder sonstige „Medienphänomene der Zeit“ verkauft. Gleichzeitig ist dies ein Eingeständnis und der Beleg dafür, dass man auch in den Verlagschefetagen nicht wirklich von den eigenen Qualitätsstandards überzeugt ist. Aber ohne ausreichend vorhandene finanzielle Mittel ist da einfach nicht mehr drin, heißt es dann von selber Stelle. Auf neue, innovative Geschäftsmodelle wird aber nicht gesetzt. Es wird von einem Großteil noch nicht mal versucht. Selbst wenn sich die Gelegenheit bietet, wie jüngst die Möglichkeit, sich um eigene Top-Level-Domains zu bewerben, wird diese nicht ergriffen. Stattdessen wird die Arbeit eingestellt, billiger qualitativ schlechter Content eingekauft, auf die eigene Glaubwürdigkeit extrem schädigend wirkenden paid content gesetzt und dem bald kommenden Ende entgegen gefiebert.

Welchen Wert haben Verlagsangebote heute noch?

So stellt Redaktion, nach Redaktion, ihr freies schaffen ein. Einige machen gleich komplett dicht und lassen die Rolladen runter, die anderen versuchen sich mit, aus journalistischer Warte sicherlich mehr als fragwürdigem paid content, über Wasser zu halten.

paid content - die macnews seite in der FR-AppSo ist dies selbst bei renommierten Blättern wie der Frankfurter-Rundschau und vielen weiteren noch verlegenden Verlagserzeugnissen zu beobachten. Als Abonnent der FR-Online-Ipad-Ausgabe stoße ich jeden Tag aufs Neue auf diese Art von Werbe-Prosa, die als informierende Nachrichten verkauft werden sollen. In dem konkreten Fall meiner FR, ist dies mehr als deutlich nach Übergabe der Geschäfte an den Insolvenzverwalter zu sehen. Zusätzlich nehmen die Agentur-Dosen-Meldungen zu, die wenig wirklich Neues zu Tage fördern. Teilweise liest man dann sogar die selben Nichtigkeiten, leicht umformuliert, gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Schafft weniger Qualität denn die Wende? Denkt man wirklich, sich so einfach retten zu können? – Wohl kaum, wer noch für Inhalte bezahlt überlegt, ob dass überhaupt weiter Sinn macht. Denn außer Kommentaren, ist kaum mehr journalistische Einzelleistung zu finden; und mit Verlaub, wer eine gewisse Affinität zu den neuen Medien sein eigen nennt, weiß auch wo es im Web gute, inhaltsgeschwängerte und kritisch durchdachte Meinungsbildnisse zu lesen gibt. Verleger die versuchen auf Kosten der Qualität der Inhalte versuchen eine Publikation lukrativ zu machen, befördert sich ohne Umwege selbst ins Abseits.

Gleiches gilt wohl ab demnächst auch für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, die Ihre regional ansässige Redaktion vor kurzem geschlossen hat und aus der „Ferne“ weiter für die Region berichten möchte. Ohne den direkten Bezug zur Region zu wahren, zugekauften Inhalten und solchen, die man sich bezahlen lässt und die immer schwieriger von echten Inhalten trennen lässt, was auf Kurz oder Lang das endgültige Aus bedeuten wird. (…)

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Medienkrise II Teil